Samstag, 25. Januar 2014
Retrospektive
Eine unserer kanadischen Musikerinnen, Christina Martin, wurde vor einigen Jahren von einem Gerontologen eingeladen, für eine Zeit in seiner Klinik und den dazu gehörigen Pflegeheimen ein- und auszugehen. Sein Wunsch war es, dass sie sich ein Bild von Demenz macht... was bedeutet sie wirklich für die Patienten und für deren Angehörige? Wie sieht der Alltag aus? Wie gehen die Betroffenen damit um? Später sollte sie Songs darüber schreiben.
Daraus ist ein Projekt entstanden, das ich aufgrund meiner eigenen Geschichte sehr liebe, denn Christina hat es genau getroffen: Das Leben mit einem Demezkranken ist nicht nur schrecklich. Es ist eine sehr individuelle Sache...
>> http://www.christinamartin.net/category/rememberme/
Hier findet man Geschichten von Betroffenen. Außerdem veröffentlicht Christina jede Woche einen neuen Song aus diesem Projekt und bietet ihn zum kostenlosen Download an.

Und jetzt hat sie mich gebeten, an dem Projekt teilzunehmen. Sie mag meine Geschichten über meinen Vater. Also bin ich hier, um mich ein wenig besser in diese Zeit zurück holen zu können:
http://diagonal.blogger.de/topics/Dad/

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Mittwoch, 13. Oktober 2010
Ein Sonntag im Oktober I
10.10.2010 im Museum Insel Hombroich







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Sonntag, 10. Oktober 2010
† 10.10.2009 Dad

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Sonntag, 13. Dezember 2009
Jäger & Sammler
Mein Vater war ein Jäger und Sammler. Vor allem hielt er einige Habseligkeiten seines Vaters, meines Großvaters, hoch in Ehren. Sein Verdienstkreuz aus dem 1. Weltkrieg, einen Orden, einige ärztliche Utensilien und ... dieses Ding:



Auf der Rückseite ist folgendes eingeprägt:
D.R.G.M 174147 und ein 800er Stempel



Mein Vater besaß auch einen alten Herrendiener, wo dieses Ding oft auf der Ablage zu finden war. Meine Mutter und ich können uns daran erinnern, es dort oft gesehen aber nie gefragt zu haben, was es nun ist.

D.R.G.M. könnte Deutsches Reichsgebrauchsmuster heißen und wäre mit einem Patent gleich zusetzen. Aber was ist das für ein Ding?
Das einzige, was hinein passen könnte, wären Zahnstocher. Aber wozu braucht man dann bitte dazu noch die 7 cm?

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Sonntag, 18. Oktober 2009
Ein großer und viele kleine Schrecken.. und auch ein bisschen Freude
Die Messe zur Beerdigung meines Vaters war der schlimmste Teil des Tages. Mein Vater war ein sehr gläubiger Christ und besuchte am liebsten Kindermessen. Er liebte es die moderneren Kirchlieder mitzusingen. Aus diesem Grunde hatten meine Mutter und ich in erster Linie auch diese Lieder ausgesucht. Um Irritationen vorzubeugen, erklärte der Pastor dies am Anfang des Gottesdienstes.

Der Pastor war ein guter Freund meines Vaters. Meine Eltern waren immer für den Pastor da und dieser wusste, dass er den beiden alles erzählen konnte, was ihn persönlich bedrückte, ohne dass es in der Gemeinde seine Runde machen würde. Dies und einige Anekdoten erzählte der Pastor mit Tränen in den Augen und alle spürten die enge, persönliche Bindung zwischen den beiden. Ich selbst stellte zwischenduch bewusst auf Durchzug und hörte nicht zu. Sonst wäre ich nicht in der Lage gewesen, meine Fürbitte zu lesen. J. konnte ihre schon nicht lesen, denn ihr ging es beim Anblick des Sarges ganz ganz schlecht. Sie hätte keinen Ton raus bekommen.

Am Ende der Messe spielte der Organist Toccata und Fuge von Bach. Leider hatten wir keine Zeit in Ruhe sitzen zu bleiben und es genießen zu können. Dabei hätte gerade das meinem Vater extrem gut gefallen.



Vor der Kirche wollten ganz viele mir und dem Rest der Familie kondulieren. Es war kaum zu ertragen. Gleichzeitig freute ich mich über ein paar der Anwesenden, weil ich mit ihrem Erscheinen nicht gerechnet hätte. So hart es war, es tat gut, sie zu sehen. Dennoch musste ich unterbrechen. Ich musste noch die Beisetzung auf dem Friedhof durchstehen und ich hatte eh schon wackelige Beine.

Auf dem Friedhof waren noch mehr Menschen, als in der Messe. Mich nahmen Menschen in den Arm, die ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Ich bekam Beileidsbekundungen von Menschen, deren Gesicht ich zwar schon gesehen hatte, mit denen ich aber sonst nie was zu tun hatte.
Ein Mann nahm mich liebevoll in den Arm und drückte mir einen dicken Kuß auf die Wange. Er schaute mich intensiv an und ich dachte: Wer is'n das? Später stellte sich heraus, es war der Sohn des Bruders meiner Großmutter.
Zu den gefühlten 500 Menschen, die da auf dem Friedhof waren, kam natürlich noch die ganze Verwandtschaft, die ich nie so geballt auf einem Fleck erlebt habe. Mein Cousin aus Berlin, der andere aus Hamburg, die Cousine aus Bamberg, die Tante mit Ehemann aus München und natürlich alle anderen, die hier in der Region geblieben sind. Fast alle waren da. Und alle haben mit gelitten.

Später im Café wurden alte und neue Geschichten erzählt. Ich erfuhr, warum einer meiner Cousins nicht anwesend war. Er ist dieses Jahr gestorben. Er war psychisch krank, hatte Diabetes, ernährte sich aber ohne Rücksicht darauf. Da er aber auch sein komplettes soziales Netzwerk zum Teufel gejagt hatte, fand man ihn erst 5 Wochen nach seinem Tod in seiner völlig verwahrlosten Wohnung.
Sein Bruder hingegen, der Cousin aus Berlin, ist vor 2 Wochen zum Professor für Physik ernannt worden. Die Hände meines Bruders zitterten verdächtig, der er hielt durch und trank keinen Alkohol. Er sagte aber auch kein Wort. Er konnte nicht. Meine Schwester ist gar nicht erst mit ins Café gekommen. Ihr war das alles zu viel. Die Tante hat 'ne neue Hüfte und eine Freundin meiner Mutter gab mir ihre Telefonnummer. Ich soll mich jederzeit melden, wenn meine Mutter oder ich Unterstützung brauchen - meine Mutter würde ja nie was sagen, dann müsse ich das eben übernehmen.

Zum Abschied wurde ich wieder vielfach gedrückt und mindestens die Hälfte der Leute mahnte mich, gut auf meine Mutter aufzupassen - ich sei die einzige echte Stütze, die sie habe.

Im Anschluß fuhr J. sich bei einem Freund ausheulen. G, mein Bruder, der Cousin aus Berlin und ich sind dann noch zu meiner Mutter gefahren. Dort guckten wir Bilder und haben den Tag Revue passieren lassen.

Nun kann langsam bitte wieder Ruhe einkehren.

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Hohl und leer
Nach den letzten turbulenten Tagen bin ich gerade mal für eine Stunde allein. Und es fühlt sich komisch und leer an. Ich wollte es so und kann jetzt nichts mit mir anfangen. Dabei weiß ich, dass es jetzt wichtig für mich ist, mal wieder zur Ruhe zu kommen und nicht in wilden Aktionismus zu verfallen, der meine Trauer nur überdecken und wahrscheinlich nur verlängern würde.
Ich bin normalerweise gern allein und genieße es. Heute fühlt es sich fremd an.

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Samstag, 17. Oktober 2009
Ein neuer Tag
Wechselnd bewölkt. Draußen und in meiner Seele. Frühstück fertig. Vienna Teng singt. Auch von J. sind erste Lebenszeichen zu hören. G. holt seinen Ami aus der Garage, um gleich die Kennzeichen anzuschrauben. Erst muss ich noch einkaufen, doch später werden wir mit meiner Mutter und meinem Cousin aus Berlin eine kleine Tour mit dem Spritfresser machen. Man muss der Seele auch was Gutes tun und sie wieder Kraft tanken lassen.

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Freitag, 16. Oktober 2009
Beerdigung


Komischer, anstrengender, trauriger Tag.

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Donnerstag, 15. Oktober 2009
Menschen kommen und gehen.
Morgen, um 10:45 Uhr ist die Beerdigung. Eben erzählte ich der externen Trainerin davon, mit der ich mich auf Anhieb so gut verstand, und die mir kurz zuvor das Du angeboten hat. Als ich von morgen erzählte, merkte ich, wie nervös und bedrückt mich der Gedanke macht. Das Gefühl in der Bauchgegend ist mehr als unangenehm. Die innere Ruhe der letzten Tage dürfte nun vorbei sein.





... Aber dass sie mir das Du anbot, machte mich auch glücklich.

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Mittwoch, 14. Oktober 2009
Kondulenzen
Es ist schon komisch, plötzlich auch solche Briefe mit dem schwarzen Streifen auf dem Umschlag zu bekommen, sehr liebe Karten, von tollen Menschen, die zeigen, dass sie an mich denken, die mir/uns ihr Beileid aussprechen. Auf diesem Weg schon mal ein warmes Dankeschön dafür.
Ich habe nicht damit gerechnet. Und es ist ein neues Gefühl. Es zeigt mir, dass ich tatsächlich zum inneren Kreis gezählt werde, obwohl ich mich irritierenderweise gerade gar nicht so zugehörig fühle. Ich mache meinen Job, ich passe auf meine Mutter auf. Ich versuche da zu sein und zu helfen. Meine eigene Trauer ist gerade nicht präsent. Ich funktioniere.
Samstag und Sonntag habe ich viel geweint und es hat mich zerrissen. Montagmorgen saß ich 2 Stunden still im Büro und wusste nichts mit mir anzufangen. Doch dann kam ich wieder in den Alltagstrott. Und da laufe ich jetzt, wie ein Hamster im Rad und frage mich, ob das alles gewesen ist. Ich fühle mich ja nicht schlecht dabei. Ich bin froh, die Dinge noch im Griff zu haben. Ich bin traurig und ich bin müde. Sehr müde. Und ich habe oft Kopfschmerzen - natürlich. Aber es geht mir nicht schlecht. Ich bin auf die Beerdigung am Freitag gespannt.

Heute Nachmittag war ich bei meiner Mutter. Wir tranken eine Tasse Tee miteinander, als nach und nach Freunde meiner Mutter zum Kondulieren vorbei kamen. Ich kochte noch mehr Tee und forschte in den Keksverstecken meiner Mutter. Dann saßen wir zusammen am Küchentisch und natürlich begann meine Mutter von den letzten Wochen zu erzählen. Und sie erzählte auch lustige Geschichten. Nur der W, meine Mutter und ich konnten darüber lachen. Die beiden anwesenden älteren Damen schüttelten nur betrübt den Kopf und wiederholten immer wieder Das ist so traurig!
Warum können z.B. auch diese Damen, die fröhlichen Momente nicht als solche nehmen? Sie sind so wichtig!

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recording time: 5085 Tage
last track: 2014/01/25 18:09
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musicians and lyrics
Ich bin auch gern hier....
Ich bin auch gern hier. Es fühlt so geborgen an....
by diagonale (2014/01/25 18:09)
Ich erinnere mich auch...
Ich erinnere mich auch noch gut an diese Geschichten,...
by giardino (2014/01/25 17:42)
Retrospektive
Eine unserer kanadischen Musikerinnen, Christina Martin,...
by diagonale (2014/01/25 13:35)
Was kleines fluffiges...
Was kleines fluffiges sagt. Sie fehlen.
by giardino (2013/05/06 23:29)
Liebe Frau Diagonale, schade...
Liebe Frau Diagonale, schade dass Sie fort sind. Kommen...
by kleines fluffiges (2013/02/07 23:23)

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